Deutsche Börse: Ist der Aufsichtsrat auf dem Weg zum Greisen-Gremium?

Um es vorab zu sagen: Wie lange ein Aufsichtsrat geeignet ist für seinen Job, hängt neben der Gesundheit vor allem von seiner Persönlichkeit ab. Wir kennen 80-jährige, die weitaus näher am Puls der Zeit sind als mancher 40-Jährige. Mit pauschalen Altersgrenzen für Aufsichtsräte tun wir uns deshalb schwer. Allerdings gehört zur „Diversity“ eines Gremiums auch ein gesunder Altersmix. Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt, dass vielerorts ein Generationswechsel notwendig ist – zumal es angesichts der tiefgreifenden digitalen Transformation oft Sinn macht, „Digital Natives“ und mit ihnen Digitalkompetenz ins Gremium zu holen.

Ann-Kristin Achleitner ist die jüngste Kapitalvertreterin

Deshalb ist es richtig, dass Aktionäre derzeit genauer hinschauen und vielerorts eine „Verjüngung“ anmahnen. Aufsichtsratsvorsitzende, die noch keinen Generationswechsel eingeleitet haben, riskieren damit auch bei Personalien Gegenwind, die auf den ersten Blick wenig Anlass zu Kritik bieten. Diese Erfahrung musste jetzt Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber (67) machen: Investoren wehren sich laut Medienberichten vehement gegen den 66-jährigen Ex-BayernLB-Chef Gerd Häusler als neuen Aufsichtsrat. Das Durchschnittsalter der acht Kapitalvertreter liegt derzeit bei 62,5 Jahre, jüngstes Mitglied ist Ann-Kristin Achleitner (Jahrgang 1966). Damit kann man beim Aufsichtsrat der Deutschen Börse also keineswegs von einem Greisen-Gremium sprechen – aber es fehlt eben jemand aus der Generation Ü 50, optimalerweise mit Digitalkompetenz.