Corporate Governance aktuell – „CEO Letter“: Wie Larry Fink die Schwächen des deutschen Kodexes offenlegt

Larry Fink

BlackRock-Chef Larry Fink hat kürzlich seinen jährlichen Brief an die CEOs geschrieben, und in dieser Woche bin ich endlich dazu gekommen, ihn zu lesen: Fink fordert unter anderem, dass Manager mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und den Unternehmenszweck („purpose“) stärker in den Mittelpunkt rücken.

Das zeigt, dass institutionelle Investoren völlig andere Erwartungen haben als vor einigen Jahren. Und ich habe mich unweigerlich gefragt: Hilft der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) den deutschen Unternehmen eigentlich, diese Erwartungen zu erfüllen? Da die Regierungskommission beharrlich die Investoren in den Fokus rückt, müsste das doch eigentlich der Fall sein.

Ist es aber nicht. Denn was Fink erwartet, lässt sich nicht einfach in detaillierte Empfehlungen zum Abhaken ummünzen. Ihm und immer mehr anderen Investoren geht es um fundamentale Fragen der Unternehmens- und Führungskultur. Und dafür brauchen Unternehmer, Aufsichtsräte und Vorstände Haltung, aber sicher keine langen Kataloge mit bevormundenden und bürokratischen Vorgaben.

Wir fordern einen Stopp der Kodex-Reform

Ein kleinteiliger Kodex ist somit ein Anachronismus aus einer Zeit, als die Welt geordneter erschien und die digitale Transformation noch Zukunftsmusik war. Wir müssen deshalb dringend umdenken – im Sinne der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts, aber auch wegen völlig neuer Investoren-Erwartungen.

Meine VARD-Mitstreiter und ich haben die Regierungskommission in unserer aktuellen Stellungnahme deshalb aufgefordert, den Reformprozess zu stoppen und den Kodex-Entwurf zurückzuziehen. Zudem werden wir einen umfassenden Diskussions- und Dialogprozess einleiten, um einen Kodex zu entwickeln, der diesen Namen auch verdient. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen – natürlich auch Larry Fink und sein deutscher Statthalter Friederich Merz.

Ergänzungen, Anmerkungen, Widerspruch? Ich freue mich auf Ihr Feedback: dehnen@vard.de

Editorial von Peter H. Dehnen -> Zur Person.