Corporate Governance aktuell PR-Offensive: Wie die Regierungskommission die schweigende Mehrheit vereinnahmt

Die Regierungskommission hat mit einer PR- und Social-Media-Offensive auf die geballte Kritik am Kodex-Entwurf reagiert: Zuletzt stieg die Schlagzahl der Wortmeldungen in den Medien und auf Twitter deutlich. So verwies die Kommission per Tweet auf „Grosses Interesse an #Kodex2019“ und betonte, dass die „Zustimmung zu einer grundlegenden Überarbeitung grundsätzlich groß“ ist.

Darauf folgten zarte Hinweise, dass es mit der Zustimmung nicht allzu weit her ist. „Im Detail sehen viele einige Reformthemen aber anders“, wurde aus einem aktuellen WirtschaftsWoche-Interview des Kommissionsvorsitzenden Rolf Nonnenmacher zitiert, der darin sogar Selbstkritik anklingen ließ: „In einzelnen Formulierungen sind wir vielleicht zu konkret geworden.“

Allerdings ging Nonnenmacher gleich zum Gegenangriff über: Er vermisse vielfach „das Verständnis dafür, dass bei der Vorstandsvergütung dringender Handlungsbedarf besteht“. Und er suggerierte, dass eine schweigende Mehrheit hinter der Kommission steht: „Man meldet sich nicht, wenn man keine Einwände hat.“

Schweigen ist keine Zustimmung!

Ich weiß nicht, ob Nonnenmacher von Claqueuren umgeben ist oder nur mit ausgewählten Vorständen und Aufsichtsräten spricht. Das Schweigen zahlreicher Unternehmen als Zustimmung zu werten, geht jedenfalls meilenweit an der Realität vorbei. Ich bin überzeugt: Viele Verantwortliche haben sich desillusioniert von der Kommission und ihrem Kodex abgewendet.

Und was das Thema Vorstandsvergütung angeht: Dazu ist längst alles gesagt – nur noch eben noch nicht im Kodex. „Dringenden Handlungsbedarf“ kann ich deshalb nicht annähernd erkennen.

Nonnenmachers Aussagen bestätigen damit meine Befürchtung: Ein grundlegendes Umdenken ist nicht erkennbar; die Regierungskommission wird versuchen, mit ein paar Detailänderungen durchzukommen. Ein Grund mehr für uns bei VARD, die Initiative #KodexWende entschlossen voranzutreiben.

Weitere Informationen dazu gibt’s nächste Woche – an dieser Stelle und vermutlich auch in anderen Medien.

Ergänzungen, Anmerkungen, Widerspruch? Ich freue mich auf Ihr Feedback: dehnen@vard.de

Editorial von Peter H. Dehnen -> Zur Person.