Der Corporate-Governance-Kodex als Bollwerk gegen Investoren, die eigene Interessen verfolgen? Eine Replik auf Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Stefan Simon.

Der Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Stefan Simon hat sich in der vergangenen Woche auf die Seite der Kodex-Kritiker geschlagen: Die „harsche Kritik“ am Reformvorschlag der Regierungskommission sei in sachlicher Hinsicht „vielfach berechtigt“, schrieb er in einem Kommentar für das Handelsblatt.

Zugleich warnte er vor Bestrebungen, „nunmehr den Kodex und die Kommission zu Grabe tragen zu wollen“. Dadurch würde „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“, fürchtet Simon, der den Kodex auch als Gegengewicht zu Stimmrechtsberatern, institutionellen Investoren, Asset Managern und aktivistischen Aktionären sieht, die mit „disparaten Ansinnen“ an Unternehmen herantreten und ihnen Vorgaben in Sachen Corporate Governance machen wollen.

Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) als Bollwerk gegen Investoren, die eigene Interessen verfolgen? Das ist zweifellos ein interessanter Ansatz, der aber bereits daran scheitert, dass er maßgeblich von Investoren beeinflusst wird: Sie sind in der Regierungskommission DCGK stark vertreten, während wichtige Branchen überhaupt nicht repräsentiert sind.

Wie Investoren Entscheidern Regeln aufzwingen

Was der Autor ebenfalls vergisst bzw. nicht thematisiert: Die Kommission braucht einen Arbeitsauftrag – aber wer ist legitimiert, diesen zu erteilen? Und wie weit darf er reichen, wenn man nicht in die unternehmerische Freiheit der Unternehmen und ihrer Organe eingreifen will?

Damit Simons Ansatz funktioniert, müssen wir die Kommission zwar nicht „zu Grabe tragen“, aber ihr einen neuen Arbeitsauftrag erteilen – und sie endlich zu einem Gremium machen, dass die Interessen der gesamten Wirtschaft vertritt (und nicht einzelner Stakeholder). Nur so kann aus dem Kodex wieder, wie vorgesehen, eine Selbstverpflichtung werden.

Die Entscheider in den Unternehmen müssen endlich realisieren, dass die Investoren dabei sind, das Ruder in die Hand zu nehmen und unseren börsennotierten Unternehmen ihren „Kodex“ bzw. die Spielregeln aufzuzwingen. Was lange ein zaghaftes Unterfangen war (etwa in Form der Forderung, dass auch Aufsichtsräte mit Investoren reden), ist heute sehr viel konkreter und umfassender.

Dennoch scheint sich die Mehrheit der Aufsichtsräte und Vorstände ohne irgendeine Gegenwehr in ihr Schicksal zu ergeben („es ist halt so wie es ist“, „da kann man nichts machen“, „das regelt sich von alleine“, ich habe Wichtigeres zu tun“, und so weiter).

Aufsichtsräte müssen sich endlich solidarisieren

Ich finde das erstaunlich….

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