Während wir auf den neuen Kodex warten, sollten wir einen Blick über den Zaun werfen – und zwar nach Belgien. Was wir dort lernen können und was die dritte Corporate-Governance-Welle bringt

Der neue Corporate-Governance-Kodex unserer belgischen Nachbarn zeigt, wie es auch geht: kurz, knapp, auf den Punkt – zehn Prinzipien und eine Gebrauchsanleitung weisen die Richtung. Fertig. Da frage ich mich: Warum können wir in Deutschland so etwas nicht?

Es gibt noch etliche andere zeitgemäße Beispiele aus neuerer Zeit. International tut sich so Einiges. Und das deutsche („duale“) System der Corporate Governance ist ein Vorzeigemodell, für das es sich zu werben lohnt. Aber es bleibt fraglich, ob sich mit dem vorliegenden Entwurf des DCGK die internationalen Stakeholder begeistern lassen. Und ich bezweifele, dass wir mit der Verabschiedung vom ‚apply-and-explain‘-Prinzip vor dessen Einführung und der Devise ‚Reporting ist keine Corporate Governance‘ (so Kommissionspräsident Rolf Nonnenmacher in einem Interview) für unser ‚duales‘ System werben. Dafür hätte es die Regierungskommission schaffen müssen, aktuelle Trends aufzunehmen und clever in das deutsche System zu integrieren. Das hätte international Eindruck gemacht.

Eine steile Dehnen-These? Nein, internationaler Standard. Während wir uns noch wundern, warum die (aktivistischen) Investoren plötzlich so stark und einflussreich sind, hat sich die internationale Corporate Governance Welt längst weiter gedreht. International ist anerkannt, dass nach ‚Welle 1‘ (aka ‚Deutschland AG‘ oder ‚wir haben uns alle – beim Rotwein – lieb‘) die ‚Welle 2‘ (Aufsichtsrat ist ein Beruf und er muss dem Vorstand auf die Finger schauen) kam.

Professionelle Überwachung? Reicht nicht mehr

Damit sind wir aber nicht am Ende, sondern am Anfang. Denn inzwischen rollte die ‚Welle 3‘: Derer Aufsichtsrat muss nicht nur den Vorstand professionell überwachen, sondern proaktiv dabei mitwirken, dass anerkannte (also sowohl von Investoren und anderen Stakeholdern als auch von UN und OECD geforderte) „ESG“-Standards eingehalten und weiterentwickelt werden.

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