Ein kurzer Ausflug ins Comedy-Fach – und eine umso ernstere Botschaft

Liebe Leser der GermanBoardNews,

einer der Höhepunkte dieser Woche war sicher die Hauptversammlung von Siemens bzw. von Joe Kaeser am Mittwoch. Sie haben es womöglich am Abend in der Tagesschau gesehen: Da saß er, der CEO während  der letzten Hauptversammlung seiner Amtszeit, und las fast gesenkten Hauptes von einem Blatt vor: „Wären wir noch einmal in der Situation, in der wir frei entscheiden könnten, fiele sie sicher anders aus.“

Anders formuliert: Hätten wir das damals alles gewusst, hätten wir sicher anders entschieden.  Da hört man schon den Komiker Gernot Hassknecht in der heute-show rufen: „Hallo! Geht’s noch?! Was genau haben Sie denn nicht gewusst? Und warum nicht? Haben Sie sich denn noch nie mit den Stakeholdern im Siemens Öko-System auseinandergesetzt? Und kommt es noch schlimmer? Was haben Sie noch alles nicht gewusst?“

Keine Sorge, die GermanBoardNews rutschen nicht ins Comedy-Fach ab. Aber wenn ein Vorstandsvorsitzender solche Statements abgibt, wirft das immer auch ein Schlaglicht auf den Aufsichtsrat. Hat dieser auch nichts gewusst? Worüber wird im Aufsichtsrat geredet – wenn nicht über die Themen, die für die Stakeholder relevant sind?

Corporate Governance: Die internationale Debatte läuft auf Hochtouren

Ich weiß natürlich nicht, worüber im Siemens Aufsichtsrat geredet wird. Aber ich empfehle – ebenso herzlich wie dringlich – jedem Vorstandsvorsitzenden und jedem Aufsichtsrat den neuen Report des International Integrated Reporting Council : ‘Integrated Thinking & Strategy: State of Play Report’ Und seien Sie gewarnt. Die Gedanken in diesem Report werden womöglich Ihr Denken verändern. Jedenfalls wird Ihnen die Lektüre ein Gefühl dafür geben, wohin sich Corporate Governance entwickelt.

Einen weiteren interessanten Bericht hat das Financial Reporting Council veröffentlicht, also die oberste britische Instanz in Sachen Corporate Governance und  Stewardship. Denn die jährliche Überprüfung der britischen Standards – die meines Erachtens sehr wichtig und zeitgemäß ist – offenbart eindrucksvoll: Unternehmen brauchen mehr Freiraum, um den Stakeholdern ihren ‚Purpose’ zu vermitteln.

Die beiden Berichte zeigen: Auch wenn  es in Deutschland viele nicht so richtig wahrhaben wollen, so ist die internationale Corporate Governance Community mächtig in Bewegung geraten und wird fundamentale Veränderungen anschieben – denken Sie auch an das Schreiben von Larry Fink von Blackrock vom Jahresanfang und die Diskussionen in Davos.

Damit uns nicht Andere das Denken abnehmen und uns vor vollendete Tatsachen stellen, müssen wir endlich den eigenen Dialogprozess starten. Die Weichen hat die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) mit der Initiative #FutureGoodGovernance gestellt. Deshalb erinnere ich nochmal an den 16. Deutschen Aufsichtsratstag am 4./5. Mai 2020 in Düsseldorf (hier geht’s zur Anmeldung).

 

Mit den besten Grüßen
Ihr
Peter Dehnen

 

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