Der Corona-Rettungsfonds WSF bedroht die unternehmerische Freiheit. Governance-Fragen werden über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts entscheiden.

Liebe Leser der GermanBoardNews,

nach einer kurzen Corona-Pause melden wir uns zurück, während der Corona-Wahnsinn in die nächste Runde geht. Medizin, Wirtschaft, Gesellschaft – drei Krisen in einer, und eine komplexer als die andere. Für mich ist klar: Wir dürfen jetzt nicht regional oder national denken. Stattdessen müssen wir versuchen, die globale Dimension zumindest ansatzweise zu verstehen.

Dabei waren wir doch schon überfordert, die Blockbuster-Themen der vergangenen Monate zu verarbeiten: Klimawandel, Umweltkatastrophen, Cyberkrieg. Und jetzt kommt noch eine Pandemie dazu (es wird wahrscheinlich nicht die letzte sein). Bei den Unsummen, die gerade zur ‚Rettung‘ aufgerufen werden, scheint es um ein „all in“ zu gehen – wie Pokerspieler das wohl nennen würden.

Auf dem Weg in die Staatswirtschaft?

Die Krise wirft damit auch zahlreiche Fragen für Vorstände und Aufsichtsräte auf. Wenn Sie in diesen Tagen die Zeitungen lesen, dann begegnet Ihnen – nicht nur in der Rubrik Wirtschaft – auf jeder Seite ein Governance-Thema. Eines ist spannender als das andere, aber das alles überragende Thema – jedenfalls in Deutschland – ist für mich derzeit der „Wirtschafts-Stabilisierungs-Fonds“ (WSF). Auf den ersten Blick mag sich der eine oder andere über dieses Vehikel freuen, aber bei genauerem Hinsehen folgt schnell die Ernüchterung.

Denn es steht zu befürchten, dass der Staat hier in großem Stil in die unternehmerische Freiheit eingreift. Ich empfehle Ihnen dazu einen lesenswerten Artikel im aktuellen Manager Magazin mit der Überschrift „Die neue Deutschland AG“.

Immerhin scheint das Bundeswirtschaftsministerium erkannt zu haben, dass es hier ein Wörtchen mitreden sollte – bislang haben das die Bundesministerien für Finanzen und Justiz die Sache weitgehend unter sich ausgemacht. Man rechnet offenbar mit 15.000 potentiellen WSF-Kandidaten – man stelle sich vor, die werden jetzt alle an die kurze Leine von Ministerialbürokraten genommen.

Good Governance für den Standort Deutschland 

In den nächsten Wochen werden in diesem Zusammenhang zahlreiche Entscheidungen mit weitreichenden Folgen zu treffen sein. Bekommen alle Unternehmen, an denen der Bund sich beteiligt, dessen Public Governance Kodex verordnet? Nach welchen Kriterien werden die Aufsichtsräte ausgewählt – Politiker, Beamte oder Wirtschaftsfachleute? Ist das die große Stunde der Quoten?

Ich hoffe sehr, dass Corporate-Governance-Prinzipien und insbesondere die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte nicht unter die Räder kommen. Denn für mich ist klar: Die Governance entscheidet über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Doch es darf jetzt nicht nur darum gehen, Rückschritte zu verhindern. Denn vergessen wir nicht: Die bereits genannten Blockbuster-Themen werden uns weiter fordern, wenn die Corona-Krise abklingt. Wir müssen uns deshalb intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir die  Corporate Governance in Deutschland verbessern.

Deshalb werden wir die die VARD-Initiative #FutureGoodGovernance weiter vorantreiben, in deren Rahmen bereits vor Monaten eine Interviewreihe angelaufen ist: Wir haben Top-Entscheider deutscher börsennotierter Unternehmen eine Reihe von Fragen vorgelegt und sie eingeladen, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Was dabei herausgekommen ist, können Sie ab dieser Ausgabe in der neuen Rubrik #FutureGoodGovernance (#FGG)  lesen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich an der Diskussion über unsere #FGG-Themen beteiligen und Ihre Denkanstöße, Statements oder Fragen an uns schicken. Und lassen Sie uns bitte wissen, ob Sie mit einer Veröffentlichung Ihres Beitrags einverstanden sind.

Statt mit ‚vielen Grüßen‘ oder ‚besten Wünschen‘ verbleibe ich heute mit ‚bleiben Sie bitte gesund‘.

 

Ihr
Peter H. Dehnen
(Herausgeber)


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