Der Worst Case bei der Lufthansa scheint abgewendet. Doch das reicht nicht: Wir brauchen dringend eine Good-Governance-Allianz von Politik und Wirtschaft.

Liebe Leser der GermanBoardNews,

die gute Nachricht der Woche war: Die Bundesregierung will keine Politiker oder Staatssekretäre, sondern zwei unabhängige Experten in den Aufsichtsrat der Lufthansa schicken. Wenn die Gremien und die EU-Kommission den Einstieg des Corona-Rettungsfonds WSF durchwinken, dürfte das Unternehmen also wichtigen unternehmerischen Gestaltungsspielraum behalten. Gut so.

Wir werden allerdings sehr genau beobachten, wie es um die „Unabhängigkeit“ und die „Expertise“ der neuen Aufsichtsräte tatsächlich bestellt ist. Zudem hoffe ich im Sinne der Lufthanseaten, dass das Kompetenz- und Diversity-Profil des Kontrollgremiums nicht aus den Fugen gerät.

Darüber hinaus habe ich mich gefragt, warum die Nachricht in der Wirtschaft eine derartige Erleichterung ausgelöst hat. Zeigt das nicht, wie niedrig unsere Erwartungen an die Politik in Sachen Corporate Governance sind? Verleiten uns die Erfahrungen bei der Deutschen Bahn und beim Flughafen BER dazu, schon zufrieden zu sein, wenn der Worst Case abgewendet ist?

Entscheider in die Verantwortung nehmen

Ich meine: Das darf nicht sein. Wir dürfen und sollten von der Politik mehr erwarten. So wird sich auch bei künftigen WSF-Beteiligungen die Frage stellen: Wie kann der Staat dafür sorgen, dass gerettete Unternehmen ihrer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, ohne ihre unternehmerischen Handlungsspielräume starke einzuschränken?

Wenn der WSF zwar unabhängige Aufsichtsräte ins Rennen schickt, aber zugleich harte Bedingungen für die Rettung diktiert, wäre nichts gewonnen. Deshalb plädiere ich für eine Selbstverpflichtung zu zentralen Prinzipien verantwortungsbewusster Unternehmensführung und -überwachung, die der Bund GEMEINSAM mit Vertretern von Vorständen und Aufsichtsräten erarbeitet.

Mit einer solchen Governance-Allianz würden Staat und Gesellschaft Entscheider in die Verantwortung nehmen, ohne ihre Spielräume über Gebühr einzuengen. Ich bin überzeugt: Das wäre wesentlich zielführender, als sie mit strengen Auflagen zu bevormunden.

Good Governance geht nur mit den Entscheidern – und nicht gegen Sie.

 

Herzlichst

Ihr Peter H. Dehnen (Herausgeber)

 

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