Good Governance? Warum wir Larry Fink nicht die Deutungshoheit überlassen dürfen.

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

BlackRock-Chef Larry Fink hat wieder seinen jährlichen „CEO“-Letter geschrieben, und der steht ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Das ist aus meiner Sicht wenig überraschend, aber womöglich habe ich mich schon daran gewöhnt, dass Fink klingt wie ein linker Kapitalismuskritiker.

Dieser Habitus sollte aber niemanden verleiten, ihn zu belächeln oder seine Botschaften auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn sein Weckruf ist durchaus berechtigt, und jedem Aufsichtsrat und Vorstand muss spätestens jetzt klar sein: Der Druck der Investoren steigt massiv, und das wird sich schon in der anstehenden HV-Saison bemerkbar machen.

Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, dass Unternehmen mehr Transparenz in Sachen Emissionen schaffen – und überzeugende und entschlossene Maßnahmen einleiten, um sie zu reduzieren. Das bedeutet übrigens auch, dass wir mehr Klimakompetenz in den Aufsichtsräten brauchen.

Warum Fink konstruktive Kritik von Aufsichtsräten verdient

Unabhängig davon stellt sich aber eine alte Frage mit neuer Dringlichkeit: Wer definiert, was „gute Unternehmensführung“ ist? Angesichts der Aufmerksamkeit, die Finks Briefe erhalten, drängt sich der Eindruck auf: Es sind die Investoren – und nicht etwa die sogenannte Regierungskommission, die sich jüngst ebenfalls (aber weitgehend unbemerkt) zum Thema „Sustainable Corporate Governance“ zu Wort gemeldet hat.

Wie treue Leser wissen, stehe ich der Regierungskommission skeptisch gegenüber. Aber wenn jetzt stattdessen institutionelle Investoren die Leitplanken für kapitalmarktorientierte Unternehmen setzen, kommen wir vom Regen in die Traufe. Denn vergessen wir nicht: Auch wenn sie klingen wie Larry Fink, geht es ihnen um Rendite – und das erschwert langfristiges unternehmerisches Denken.

Ich bleibe deshalb dabei: Aufsichtsräte und Vorstände müssen sich sehr viel intensiver in die Debatte einschalten. Good Governance geht nur MIT, nicht GEGEN Entscheider. Entwickeln wir also eigene Standards und stellen sie mutig zur Diskussion. Larry Fink hat konstruktive Vorschläge verdient, um seine Forderungen zu ergänzen, zu verbessern und manchmal auch in Frage zu stellen.

Herzlichst,

Ihr Peter H. Dehnen

(Herausgeber)

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