Michael Kemmer und die Kodex-Kommission: Welche Fragen der Neuzugang aufwirft

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

ein verdienter Manager verlässt die sogenannte Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex: Der langjährige Post-Vorstand Wulf von Schimmelmann scheidet Ende Februar nach fünf Jahren aus. Und trotz meines kritischen Blicks auf das Wirken der Kommission gilt es an dieser Stelle festzuhalten: Professor von Schimmelmann hat sich um die Corporate Governance in Deutschland verdient gemacht – herzlichen Dank dafür.

Sein Nachfolger, der ehemalige BayernLB-Chef und langjährige Bankenverbands-Geschäftsführer Michael Kemmer, gehört der Kommission bereits seit Monatsbeginn an. Auch er ist ein verdienter Manager, der zweifellos wichtige Voraussetzungen für die Kommissionsarbeit mitbringt. Bei genauem Hinsehen wirft die Personalie aber zwei Fragen auf:

  1. Hat Kemmer überhaupt genug Zeit für das neue Amt? Laut Lebenslauf auf der Webseite der Kommission sitzt er in acht Verwaltungs-, Aufsichts- und Beiräten. Mit dieser Ämtervielfalt ist er aus meiner Sicht kein Vorbild in Sachen Corporate Governance.
  1. Stimmt die „Diversity“ in der Kommission? Kemmer ist Beirat bei Amundi Deutschland und damit nicht nur Vertreter der Finanzbranche, sondern auch des Investoren-Lagers. Selbiges war in der „Regierungskommission“ ohnehin bereits stark repräsentiert – und wird jetzt weiter gestärkt (zumal dem Kommissionsvorsitzenden Rolf Nonnenmacher die Investoren-Perspektive auch nicht fremd ist: Von 2014 bis 2018 fungierte er als Senior Advisor beim Investmenthaus Lazard).

Ich fürchte deshalb, dass der Neuzugang eine Tendenz verstärkt, die ich seit einiger Zeit kritisch beobachte: Investoren versuchen, die Deutungshoheit über die Corporate Governance zu übernehmen (siehe dazu auch meinen Kommentar zum jüngsten „CEO-Letter“ von Larry Fink). Die Stimmen von Unternehmern (also waschechten Eigentümern), Aufsichtsräten und Vorständen sind dagegen viel zu selten hörbar.

Wer diese Schlagseite korrigieren will, ist herzlich eingeladen, seine Stimme zu erheben – zum Beispiel in unserer Rubrik FutureGoodGovernance im Dialog oder indirekt durch eine Mitgliedschaft bei der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD). Damit stärken Sie die Stimme derjenigen, die sämtlichen Stakeholdern verpflichtet sind und praktische Verantwortung für Governance-Strukturen tragen.

Denn „Good Governance“ geht nur mit den Entscheidern – und nicht gegen sie.

Herzlich

Ihr Peter H. Dehnen (Herausgeber)

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