Was sich Christian Sewing und Kasper Rorsted fragen lassen müssen – und wie Unternehmen loyale Kleinaktionäre locken.

Lieber Leser*innen der GermanBoardNews,

die HV-Saison hat zwar noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen – und doch sehen wir schon einige Schlagzeilen, die zum Nachdenken einladen. So weisen Deutsche Bank und Daimler- trotz Corona – für 2020 überraschend hohe Gewinne aus. Und die Deutsche Bank kann  noch eine weitere Schlagzeile für sich verbuchen: Die EZB dampfe die  Boni-Pläne des Geldhauses ein, meldete die FAZ vor wenigen Tagen.

Andere Unternehmen wie Adidas schütten wieder hohe Dividenden aus, und Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt hat gerade zurecht daran erinnert, dass es „die massive Rückendeckung des Staates“ und damit der Steuerzahler war, die Erfolge möglich machen.

In der Tat: Kann es sein, dass hervorragende finanzielle Ergebnisse vor allem darauf zurückzuführen sind, Möglichkeiten wie das Kurzarbeitergeld optimal genutzt zu haben? Und weniger auf den „Mut“ des Managements? Der Unterton ist beabsichtigt, aber diese Diskussion möchte ich hier nicht führen.

Wie viel Zeit hat Kasper Rorsted?

Und es gibt in der Frühphase der HV-Saison  (leider) immer noch bzw. schon wieder die Dauerbrenner-Themen ‚Unabhängigkeit‘ und ‚Overboarding‘. In diesem Zusammenhang: Ich gönne Kasper Rorsted seine tollen Aufsichtsratsmandate bei Siemens und Nestlé sowie  die damit verbundenen Nebeneinkünfte. Aber sowohl er persönlich als auch sein Aufsichtsrat müssen sich fragen lassen, ob er als CEO von Adidas eigentlich nicht genug zu tun hat? Oder hat er dort nur einen – entsprechend vergüteten – Teilzeitvertrag? Warum macht er das?

Betrachten wir die obigen Themen durch die Corporate-Governance-Brille, so müssen wir konstatieren: Wir bewegen uns leider nicht von der Stelle. Stakeholder-Verantwortung, Fairness und Nachhaltigkeit bleiben vielfach klangvolle Worthülsen.

Wann ist endlich Schluss damit, die Governance eines Unternehmens daran zu messen, ob es den  formalistischen Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodexes (DCGK) genügt? Wie wir für echte Fortschritte sorgen könnten, haben wir in der VARD-#FutureGoodGovernance-Agenda skizziert.

Wer definiert gute Unternehmensführung?

Warten wir für den Moment ab, welche Themen Hans-Christoph Hirt & Co. im weiteren Verlauf der HV-Saison auf die Agenda setzen und ob sie sich durchsetzen können. Vielleicht wird sich ja auch die neue Deutsche-Börse-Tochter Institutional Shareholder Services (ISS) hörbar einschalten und eine Schneise für ein moderneres Coporate-Governance-Verständnis schlagen.

Allerdings wäre es keine gute Idee, den institutionellen Investoren und ihren Dienstleistern die Deutungshoheit und Zukunft der deutschen Corporate Governance zu überlassen. Es geht immerhin um nicht mehr und nicht weniger als einen Pfeiler unseres Wirtschaftssystems und der Sozialen Marktwirtschaft.

Wir brauchen deshalb – mehr denn je – gleichermaßen kompetente wie mutige Aufsichtsräte, die für ihr Unternehmen klare Standards für die Unternehmensführung und -überwachung formulieren und mit Stolz und Überzeugung nach innen und nach außen (!) tragen. Aufsichtsräte und ihre Vorstände müssen sich – wie deren Unternehmen – immer wieder aufs Neue an dem Erreichen klar und eindeutig formulierter Ziele messen lassen. (Nur) das schafft Vertrauen in den Kapitalmarkt – und beschert uns viele loyale (Klein)Aktionäre.

Mit den besten Grüßen

Ihr

Peter H. Dehnen

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