Was bleibt von der Arbeit eines Aufsichtsrats?

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

wir sind ab sofort wieder für Sie da! Die Sommerferien sind vorbei, der Wahnsinn des Alltags hat uns schon längst wieder eingeholt. Wir werden wie immer die Ruhe bewahren und aktuelle Themen mit der Corporate-Governance-Brille betrachten.

Zur aktuellen Gemengelage: Von der sogenannten Regierungskommission DCGK und von der Vereinigung der Aufsichtsräte (VARD) hat man dieses Jahr noch nicht viel gehört (zum Thema VARD werde ich mich demnächst ausführlicher äußern). Dafür hat Theodor Weimer Wort gehalten und sein Programm zur Neuausrichtung der Deutschen Börse weiter voran getrieben – ab dem 20. September gibt es einen DAX40 und wir werden sehen, welche Lehren dort tatsächlich aus Wirecard gezogen werden. Erste Studien legen allerdings den Schluss nahe, dass mit der Reform keine Fortschritte in Sachen Corporate Governance einhergehen – vorerst jedenfalls.

A propos Wirecard: Hier denkt man unwillkürlich an den Untersuchungsausschuss im Bundestag und die Berge, die dort kreißten und ein 1000 Seiten starkes Mäuslein gebaren. Teflon-Scholz hat das Thema jedenfalls nicht erreicht. Aber immerhin hat die Bafin jetzt einen neuen Kopf und stellt sich auch personell neu auf.

Die „Sustainable Corporate Governance Directive“

Darüber hinaus wird über Corporate Governance eigentlich nur noch im Kontext von „ESG“, „Nachhaltigkeit“ und „Integrated Reporting“ gesprochen; da sieht man eben, wer auf dem Kapitalmarkt das ‚Sagen‘ hat – Blackrock & Co lassen grüßen.

Wer jetzt denkt, die Schlafpille hat schon Wirkung gezeigt, mag sich bald getäuscht sehen. Warten wir den 26. September – die Bundestagwahl – ab. Vielleicht erleben wir alle eine große ‚Rot-Grün-Rote‘ Überraschung und das Thema Corporate Governance erlebt ein Revival der besonderen Art – zumal die EU eine „Directive on Sustainable Corporate Governance“ auf den Weg gebracht hat. Darin will sie Sorgfaltspflichten von Entscheidern neu definieren und für einen stärkeren Fokus auf langfristige Wertschöpfung und Stakeholder Value sorgen.

Aber egal wie es kommt, eines ist gewiss: Unternehmen werden auch in Zukunft – und in Zeiten von New Work – Führung und ‚Leadership‘ brauchen. Es wird – auch in Zeiten von KI – auf Menschen und deren Entscheidungen ankommen. Und damit wird die Personal Governance – das Ethos bzw. die Berufsgrundsätze für Entscheider – immer bedeutsamer.

„Hall of Fame“ für Aufsichtsräte

Wir brauchen deshalb mehr denn je Vorbilder für die Gestaltung der Unternehmensführung in der Zukunft. Und wir müssen dabei mehr über die großen und globalen Zusammenhänge diskutieren. Mit anderen Worten, es wird mal wieder Zeit für einen Deutschen Aufsichtsratstag (DART), oder?

Nota bene: Ein Gedanke hängt mir aus den ruhigen Stunden meines Urlaubs noch nach: Warum gibt es eigentlich keine „Hall of Fame“ für Aufsichtsräte? Warum gibt es keine Aufsichtsräte mit einem Vermächtnis? Warum wird man Aufsichtsrat, wenn am Ende doch nichts bleibt – nicht einmal ein ehrendes Andenken?

Namen kommen und vergehen. Kennen Sie noch DAX-Aufsichtsräte aus dem Jahr 2010? Ok, wenigstens die Aufsichtsratsvorsitzenden? Eigentlich traurig, oder doch selber schuld?

Mit sonnigen Grüßen
Ihr Peter H. Dehnen

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