Investoren & Prüfer tragen falsches Denken in Unternehmen

Wie Investoren und Wirtschaftsprüfer falsches Denken in die Unternehmen tragen

Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

es klingt, als bahne sich ein tiefgreifender Konflikt an. Finanzinvestoren hätten den Big 4 gedroht, auf Hauptversammlungen künftig gegen ihre Wiederbestellung zu stimmen, berichtete zu Monatsbeginn das Manager Magazin. PwC & Co. müssten endlich dafür sorgen, dass „klimabedingte Risiken in Jahresabschlüssen angemessen berücksichtigt und offengelegt werden“.

Ich frage mich allerdings: Bahnt sich nicht vielmehr eine Allianz von Investoren und Wirtschaftsprüfern an, um Unternehmen gemeinsam zu bewegen, immer detailliertere Informationen zu liefern?

Auf den ersten Blick wäre das nicht dramatisch. Denn natürlich ist es wichtig, dass Unternehmen Transparenz beim Umgang mit einer Jahrhundertherausforderung schaffen. Nicht nur Aktionäre, sondern auch andere Stakeholder sollten erfahren, für welche Emissionen Unternehmen verantwortlich sind und wie sie bei der Reduktion vorankommen. Denn unternehmerisches Zaudern birgt sowohl betriebswirtschaftliche als auch gesellschaftlich-ökologische Risiken.

Wenn Klima-Kennzahlen in die Irre führen

Ich sehe allerdings das Risiko, dass Wirtschaftsprüfer und Investoren nun verstärkt ein „Check-the-box“-Denken in die Unternehmen tragen. Heißt: Sie definieren Maßnahmen und Soll-Kennzahlen, die abgehakt werden müssen – komme, was da wolle.

Diese Art von Denken wird unternehmerischer Realität und Komplexität jedoch nicht gerecht. So können Entscheider große Klimaschutz-Fortschritte machen, die Prüfer weder erfassen noch würdigen – etwa, wenn sie auf Kennzahlen fixiert sind, die nur Teile der Wertschöpfungskette erfassen. Umgekehrt kann eine solche Fokussierung natürlich dazu führen, dass die Falschen geadelt werden.

Ich bin deshalb überzeugt, dass Aufsichtsräte und Unternehmen verstärkt gefordert sind, auf das richtige Maß zu drängen. Die Forderung nach Transparenz durch Kennzahlen darf nicht in eine Zahlenfixierung münden. Denn das führt dazu, dass wir das große Ganze aus dem Blick verlieren und unternehmerische Spielräume auf ein Minimum reduziert werden.

Vom südafrikanischen King-IV-Kodex lernen?

Wichtig wäre deshalb ein „apply-and-explain“-Denken. Das heißt: Statt starrer Vorgaben Prinzipien und Ziele definieren, die Unternehmen einhalten bzw. anstreben müssen – aber eben auf ihre Weise („apply“). Im Gegenzug müssen Entscheider allerdings genau erklären, wie sie zum Ziel kommen wollen („explain“).

Das ist übrigens der Grundgedanke des innovativen südafrikanischen Corporate-Governance-Kodexes („King IV“), der für mich eines der besten Regelwerke weltweit ist. Zwar kann man King IV durchaus als Ergebnis einer Allianz zwischen Investoren und Wirtschaftsprüfern verstehen. Denn bei der Ausarbeitung spielten beide Gruppen zentrale Rollen.

Aber sie haben der Versuchung widerstanden, eine Art längere Checkliste zu formulieren – und stattdessen prägnante Prinzipien für verantwortungsbewusste Unternehmensführung definiert. Davon bleibt der deutsche Kodex weit entfernt. Zudem wollen Investoren nun weitere Check-the-box-Standards über den Kodex hinaus etablieren (und dabei offenbar auch die Wirtschaftsprüfer instrumentalisieren, siehe oben).

Wie schön und wichtig wäre es, wenn unternehmerisches Denken in beiden Gruppen weiter verbreitet wäre. Zum Einstieg empfehle ich die King-IV-Lektüre.

Herzlichst

Ihr Peter H. Dehnen

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