Warum 2022 ein spannendes Jahr wird. 

Aufsichtsratshaftung, KlimaschutzAktivisten-Attacken: Warum dieses Jahr spannend wird 

 Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

wir melden uns zurück aus der Winterpause und hoffen, dass Sie gut ins neue Jahr gestartet sind. Lassen Sie mich das GBN-Jahr mit afrikanischen Segenswünschen für alle Aufsichtsräte und Vorstände beginnen: „ dass auf deinem Weg durch das neue Jahr nur wenige Steine liegen, dass sie klein sein mögen und leicht zur Seite zu räumen sind, und dass um einen großen, schweren Stein immer genug Raum sein möge, damit du ihn umgehen kannst.“  

 Bis hierher hat das Jahr aus Corporate-Governance-Perspektive wenig Überraschendes zu bieten. Larry Fink von Blackrock hat wieder einen Brief geschrieben. Heute braucht er schon mehr als 3.000 Wörter, um CEOs zu sagen, wo es lang gehen soll (für seinen ersten Brief 2021 genügten ihm noch 500 Wörter).  

 Ach ja, und die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex hat mal wieder Änderungsvorschläge vorgelegt – auch das gehört zu den Ritualen in Governance-Germany. Dass sie wirklich Diskussionen und Reflexionen unter Entscheidern auslösen wird, ist nicht zu erwarten.  

 Klage sorgt für Unruhe unter Aufsichtsräten 

 Aber keine Sorge2022 wird uns noch einigen Diskussionsstoff liefern Da wäre zunächst die juristische Aufarbeitung des Wirecard-Skandals: Zwar schauen momentan viele wie das Kaninchen auf die Schlange und warten ab, was aus EY wird und was der Insolvenzverwalter ‚rausholt‘.  

 Doch schon jetzt hat der Skandal das Thema Aufsichtsratshaftung in den Fokus gerücktDie Klage des Insolvenzverwalters gegen Ex-Aufsichtsratschef Wulf Matthias und den langjährigen Kontrolleur Stefan Klestil sorgt in der Szene für Debatten und Unruhe. Nun müsste auch dem Letzten klar sein, dass ein Aufsichtsrat-Mandat ernst zu nehmen ist: Es erfordert Kompetenz, Engagement, Unabhängigkeit und ein Berufsethos.  

 Zudem steht eine spannende HV-Saison erleben werden. Denn Investoren lassen ihre Muskeln spielen, wie die neuen „Voting Guidelines“ der Aktionärsberater zeigen. Verstärkt ins Visier geraten zum Beispiel Aufsichtsräte, in denen es an Klima- bzw. ESG-Expertise mangelt. Auch niedrige Frauenquoten und Multi-Aufsichtsräte stehen unter verschärfter Beobachtung.  

 Investoren: Machen wir den Bock zum Gärtner? 

 Damit dürfte sich der Trend weg von sozialistischen Mehrheiten fortsetzen: Die Gefahr empfindlicher Abstimmungsniederlagen und Denkzettel für Aufsichtsräte wächst weiter. Ich beobachte das mit gemischten Gefühlen. Denn einerseits legen Investoren oft den Finger in die Wunde – andererseits denken viele sehr kurzfristig. Damit sind sie gerade nicht berufen zu definieren, was verantwortungsbewusste Unternehmensführung ausmacht.   

 Dieses Kurzfrist-Denken äußert sich beispielsweise in Aktienrückkäufen auf Rekordniveau und dem Drängen, Unternehmen zu zerlegen. Ich bin überzeugt: Solche Auswüchse schaden dem Wirtschaftsstandort, dem Kapitalmarkt und auch der Aktienkultur. So dürfte die geballte Attacke aktivistischer Aktionäre auf die Aareal Bank manchen Mittelständler abschrecken, an die Börse zu gehen. Und sie nährt den Verdacht, dass an der Börse der Turbokapitalismus regiert.  

 Deshalb ist es wichtig, den Einfluss aggressiver Investoren zu begrenzen. Wie das funktionieren kann, habe ich bereits skizziert: indem wir die Unabhängigkeit der Aufsichtsräte stärken und sie damit zum Bollwerk gegen kurzfristiges Denken machen. Dafür werde ich weiter streiten – auch 2022.  

 Herzlichst 

 Ihr Peter H. Dehnen (Herausgeber)  

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. * Benötigte Felder

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.