Hase und Igel? Das Wettrennen von Kodex- und EU-Kommission

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

noch bis zu diesem Freitag können sich Corporate-Governance-Interessierte zu den Reformvorschlägen äußern, die die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) unterbreitet hat. Zur Begründung des Reformbedarfs heißt es vonseiten der Kommission:

Wer Unternehmen leitet oder überwacht, müsse „die ökologische und soziale Nachhaltigkeit“ künftig stärker berücksichtigen. Denn die Erwartungen, so DCGK-Vorsitzender Rolf Nonnenmacher, seien diesbezüglich „sehr viel konkreter geworden“. Hinzu kämen „erweiterte Berichtspflichten nach der bevorstehenden Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU“.

Doch das ist noch nicht das einzige Vorhaben auf EU-Ebene: Zugleich arbeitet die EU-Kommission mit Hochdruck an ihrer Initiative für „Sustainable Corporate Governance“.

Ist Corporate Governance der neue Datenschutz?

Ich bin nicht sicher, ob beide Regulierungsprozesse ineinandergreifen. Aus der Ferne betrachtet scheint es sich eher um ein Wettrennen um die detailliertesten Vorschriften zu handeln. Klar ist jedenfalls: Unternehmen und Entscheider müssen sich mit einer Flut neuer Vorgaben befassen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen.

Damit droht Ähnliches wie schon beim Datenschutz: Ein wichtiges und gutes Anliegen wird solange bürokratisiert, bis es diskreditiert ist. Entscheider sehen sich bevormundend und setzen Vorgaben zähneknirschend um, statt mit positivem Elan maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.

Good Governance: eine Frage der Köpfe – nicht der Papiere

Für mich stellt sich die Frage, wie lange all die klugen Geister brauchen, um zu erkennen, dass gute Unternehmensführung letztlich eine Frage der Köpfe und nicht der Papiere ist. Ich bin überzeugt: Die Zukunft der Corporate Governance gehört der Personal Governance.

Denn wir müssen endlich diskutieren, wie wir Entscheider überzeugen statt überreden. Wie wir Good Governance zu einem Gemeinschaftsprojekt von Wirtschaft, Politik und Regulierern machen. Wie wir den Begriff positiv aufladen und Entscheider ermutigen statt sie zu gängeln.

Regelmäßige Leser wissen: Mir schwebt ein Personal-Governance-Kodex vor, der sich an den VARD-Berufsgrundsätzen orientiert. Das heißt: Er beschränkt sich auf zentrale Prinzipien, deren konkrete Umsetzung dann den Entscheidern persönlich überlassen ist. Freiheit und positive Impulse statt Bürokratie und Gängelei.

Nach Analyse der DCGK-Reformvorschläge und der EU-Pläne bin ich mehr denn je überzeugt, dass das der bessere Weg wäre. Zumal Putins grausamer Angriffskrieg unterstreicht, wie schnell sich die Welt ändert, wie schnell alte Regeln und Gewissheiten nicht mehr zählen – und wie wichtig starke Prinzipien sind.

In diesem Sinne: #StandWithUkraine.Herzlich

Ihr Peter H. Dehnen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. * Benötigte Felder

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.