Staatsfonds raus aus den Aufsichtsräten: ein Appell an Marco Buschmann und Theodor Weimer

Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

geraten im Wirtschaftskrieg zwischen Demokratien und Diktaturen jetzt die Unternehmen ins Visier? Die Attacke des Staatsfonds Temasek aus Singapur auf Bayer-Vorstand Werner Baumann stimmt mich nachdenklich. Es gibt zwar gute Gründe für Bayer-Kritik; auch ich sehe manches dort skeptisch. Aber das Timing wirft gewichtige Fragen auf (siehe dazu unsere aktuelle Analyse).

Aktionärsschützer haben aus meiner Sicht zurecht kritisiert, dass die Attacke zur „Unzeit“ kommt. Aber Temasek-Schelte ist wohlfeil, wenn wir es dabei belassen und nicht die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Was also tun?

Für mich ist klar: Wir erleben den Auftakt eines langjährigen Wirtschaftskriegs. Dass sich China trotz der Gräueltaten nicht von Russland abwendet, zeigt eindrucksvoll, worum es Peking geht: Das Reich der Mitte will langfristig eine Art Ostblock 4.0 formen, der nicht auf die westlichen Demokratien angewiesen ist. Und dafür ist jeder Verbündete recht, auch der Kriegsverbrecher Putin.

Der Arm der Autokraten reicht bis in die Aufsichtsräte

Wir brauchen deshalb dringend eine Agenda, um unsere Wirtschaft vor Einflussnahme aus China und verbündeten Diktaturen zu schützen. Das Problem: Die Autokraten haben vielfach längst einen Fuß in der Tür, nachdem Staatsfonds oder verbundene Investoren Aktienpakete gekauft haben. Bisweilen reicht der Arm der Autokraten sogar bis in die Aufsichtsräte.

Genau hier müssen wir jetzt ansetzen: Die Deutsche Börse sollte in ihren Listing-Kriterien klarstellen, dass Investoren aus Diktaturen keine Vertreter in die Aufsichtsräte schicken dürfen. Das darf allenfalls Aktionären aus Ländern vorbehalten sein, die der geplanten „Allianz der Demokratien“ rund um die G7 angehören.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sämtliche Investoren-Vertreter ausschließen, wie wir es in der #FutureGoodGovernance-Initiative vorgeschlagen haben (der Formulierungsvorschlag damals lautete: „Arbeitgeber-Vertreter im Aufsichtsrat müssen unabhängig sein und dürfen insbesondere nicht für Aktionäre oder Geschäftspartner arbeiten“).

Höhere Governance-Standards schützen vor Staatsfonds

Leider hat dieser Vorschlag bei der Reform der Dax-Kriterien letztes Jahr nicht durchgesetzt. Ich appelliere deshalb an Börsen-Chef Theodor Weimer, jetzt zumindest den Einfluss von Investoren aus China & Co. effektiv zu begrenzen. Höhere Corporate-Governance-Standards und insbesondere unabhängige Aufsichtsräte sind ein wichtiges Bollwerk im Wirtschaftskrieg!

Zudem brauchen wir strengere Regeln für Übernahmen und Beteiligungen aus autokratischen Staaten. Hier waren wir lange zu naiv, gerade mit Blick auf China. Bundesjustizminister Marco Buschmann sollte deshalb jetzt aktienrechtliche Vorschläge erarbeiten lassen.

Derzeit ist häufig zu lesen, Vorstände und Aufsichtsräte müssten nun nicht nur in Russland, sondern auch mit Blick auf China umdenken. Das ist richtig. Aber auch Börse und Bundesregierung sind jetzt gefordert – und zwar dringend.

Mit diesem Appell verabschieden wir uns in die Osterpause. Anfang Mai melden wir uns zurück und können hoffentlich von positiven Reaktionen berichten.

Herzliche Grüße und schöne Ostertage,

Ihr Peter H. Dehnen

 

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. * Benötigte Felder

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.