Einige von Ihnen werden sich erinnern: Im letzten Jahr hat Rolf Nonnenmacher, der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, auf dem Deutschen Aufsichtsratstag Leitlinien für eine grundlegende Reform des Kodex skizziert. Ich hatte damals gehofft, dass eine lebendige, transparente Debatte entsteht – und dass auch neue Ansätze ernsthaft diskutiert werden.

Doch diese Diskussion, sollte sie jemals wirklich stattgefunden haben, ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Kommission tagt hinter verschlossenen Türen – und niemand weiß, nach welchen Kriterien sie die Stakeholder auswählt, mit denen sie über die Reformpläne diskutiert.

Auch in der Öffentlichkeit findet leider keine echte Debatte statt. Einige Investoren haben in dieser HV-Saison zwar mit wachsender Vehemenz Corporate-Governance-Standards angemahnt, aber die meisten schweigen, solange die Dividende stimmt. Die Medien wiederum verlieren sich zum Teil in Polemik, etwa wenn sie Aufsichtsratsvorsitzende pauschal abqualifizieren.

Was bedeutet das für uns Aufsichtsräte? Ich meine: Wir müssen die Diskussion über Corporate-Governance-Standards im Allgemeinen und die Kodex-Reform im Besonderen so schnell wie möglich wiederbeleben – und ihr unseren Stempel aufdrücken.

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Personal Governance

Keine Frage: Trotz Fortschritten liegt in Deutschlands Aufsichtsräten noch immer Einiges im Argen. Aber wie können wir das ändern? Eine Replik auf den Wiwo-Titel – und ein Vorschlag.

Die WirtschaftsWoche hat in ihrer jüngsten Titelgeschichte „Das Versagen der Aufsichtsräte“ pointierte, teils harsche Kritik geübt. Ich stimme nicht allen Einschätzungen zu Unternehmen und Personen zu, aber auf einen gemeinsamen Nenner können wir uns einigen: In Deutschlands Aufsichtsräten liegt noch immer Einiges im Argen. Und es ist wichtig, den Finger in die Wunde zu legen – auch, wenn’s weh tut.

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