Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,  

es ist eine faustdicke Überraschung: Alexander Wynaendts (61) wird neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bank und damit Nachfolger von Paul Achleitner. Alexander wer? Selbst Kenner der Finanzbranche mussten Anfang letzter Woche erstmal googeln, wer künftig eines der wichtigsten Ämter der deutschen Wirtschaft bekleidet.  

Inzwischen hat sich herumgesprochen: Der Niederländer Wynaendts führte von 2008 an zwölf Jahre lang den Versicherungskonzern Aegon und hat damit Krisen- und Konsolidierungserfahrung. Zudem sitzt er in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten, unter anderem bei Air France-KLM.   

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Wie Investoren und Wirtschaftsprüfer falsches Denken in die Unternehmen tragen

Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

es klingt, als bahne sich ein tiefgreifender Konflikt an. Finanzinvestoren hätten den Big 4 gedroht, auf Hauptversammlungen künftig gegen ihre Wiederbestellung zu stimmen, berichtete zu Monatsbeginn das Manager Magazin. PwC & Co. müssten endlich dafür sorgen, dass „klimabedingte Risiken in Jahresabschlüssen angemessen berücksichtigt und offengelegt werden“.

Ich frage mich allerdings: Bahnt sich nicht vielmehr eine Allianz von Investoren und Wirtschaftsprüfern an, um Unternehmen gemeinsam zu bewegen, immer detailliertere Informationen zu liefern?

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Ohne G gibt’s auch weder E noch S: Was ESG-Analysten und -Investoren vernachlässigen 

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

auf der Weltklimakonferenz in Glasgow werden – hoffentlich – gerade wichtige Weichen für die Zukunft unseres Planeten gestellt. Schon jetzt ist immerhin klar, dass der Gipfel den Klimaschutz noch stärker in den Fokus rückt, auch bei Vorständen, Aufsichtsräten und Aktionären.  

ESG-Ratings werden damit nach Glasgow weiter an Bedeutung gewinnen. Aber mir fällt auf: Während sich Analysten und Investoren intensiv mit Kennzahlen wie dem CO2-Fußabdruck oder dem Erwärmungsbeitrag eines Unternehmens befassen („E“), behandeln sie Governance-Kriterien („G“) oft stiefmütterlich.  

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

wichtige Entscheidungen von Vorständen und Aufsichtsräten könnten sich künftig deutlich verzögern. Denn die EU plant mit der „Directive on Sustainable Corporate Governance“ neue Sorgfaltspflichten für Entscheider und erweiterte Klagemöglichkeiten für zivilgesellschaftliche Gruppen. Einen ersten Entwurf will die Kommission noch in diesem Monat vorlegen.

Im Kern des Regelwerks soll die Verpflichtung stehen, die Interessen sämtlicher Stakeholder zu berücksichtigen. Das ist im deutschen Aktienrecht und der Sozialen Marktwirtschaft aber ohnehin schon angelegt. Zudem frage ich mich: Müssen Aufsichtsräte vor Entscheidungen künftig Greenpeace oder die Umwelthilfe fragen, um juristisch auf der sicheren Seite zu sein und Klagen vorzubeugen?

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Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

wir erleben das nächste Kräftemessen zwischen Investoren und Unternehmen: Die Aktionärsberatung ISS hat den Tesla-Anteilseignern empfohlen, zwei Verwaltungsräte abzusetzen – Kimbal Musk (Bruder von Firmenchef Elon Musk), und James Murdoch (Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch).

Insbesondere Murdochs Wirken scheint den ISS-Experten ein Dorn im Auge zu sein. Er sitze in zentralen Board-Ausschüssen und sei deshalb wesentlich verantwortlich für schwere Corporate-Governance-Defizite bei Tesla (etwa „exzessive“ Saläre der Board-Mitglieder).

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

wie wird man Aufsichtsrat oder Beirat? Was muss man dafür können oder sein? Und was hat Corporate Governance damit zu tun? Diese Fragen beschäftigen Jahr für Jahr Hunderte von Frauen und Männern – aus den unterschiedlichsten Motiven (häufig kennen sie diese selber nicht).

Es gibt allerdings auch eine nicht kleine Zahl von Personen, für die sich diese Fragen nicht stellen. Ich spreche von denjenigen, für die ein Sitz im Aufsichtsrat die automatische Verlängerung ihrer Karriere als Vorstand ist. „Ich werde schließlich noch gebraucht“, sagen sich diese Zeitgenossen gerne.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

wir sind ab sofort wieder für Sie da! Die Sommerferien sind vorbei, der Wahnsinn des Alltags hat uns schon längst wieder eingeholt. Wir werden wie immer die Ruhe bewahren und aktuelle Themen mit der Corporate-Governance-Brille betrachten.

Zur aktuellen Gemengelage: Von der sogenannten Regierungskommission DCGK und von der Vereinigung der Aufsichtsräte (VARD) hat man dieses Jahr noch nicht viel gehört (zum Thema VARD werde ich mich demnächst ausführlicher äußern). Dafür hat Theodor Weimer Wort gehalten und sein Programm zur Neuausrichtung der Deutschen Börse weiter voran getrieben – ab dem 20. September gibt es einen DAX40 und wir werden sehen, welche Lehren dort tatsächlich aus Wirecard gezogen werden. Erste Studien legen allerdings den Schluss nahe, dass mit der Reform keine Fortschritte in Sachen Corporate Governance einhergehen – vorerst jedenfalls.

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Liebe GBN-Leser*innen,

bevor wir uns in die (Sommer)Pause vor der nächsten ‚Welle‘ verabschieden, noch ein „Bravo, Jens Wilhelm & Co.“!

Wer ist das? Jens Wilhelm, Vorstand Union Investment, aber auch: Mitglied der DCGK-Kommission (von der man lange nichts gehört hat) und Vorstands- und Präsidiumsmitglied des Deutschen Aktieninstituts (auch von Union Investment finanzierte Geschäftsstelle der DCGK-Kommission).

Ich gebe zu, dass ich mir diese kleinen ‚Sticheleien‘ in Richtung DCGK-Kommission und Transparenz nicht verkneifen kann. Das ist nichts Persönliches, aber wie sagt der weise Dichter: „Der Fisch stinkt vom Kopf“. Und Corporate Governance in Deutschland ist – pardon – immer noch auf dem Niveau eines … (nein, ich schreibe es nicht aus).

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

eine Hausdurchsuchung bei einem ehemaligen Aufsichtsratschef – das kommt nicht alle Tage vor. In der letzten Woche erwischte es Wulf Matthias, den langjährigen Chefkontrolleur des Skandalunternehmens Wirecard. Und was der Spiegel darüber zu berichten hat, klingt in der Tat erschreckend: Emails legen demnach den Verdacht nahe, dass CEO Markus Braun, Vorstand Jan Marsalek und Matthias gemeinsam einen dubiosen 100-Millionen-Kredit bewilligten.

Matthias‘ Anwalt hat den Vorwurf der Untreue laut Spiegel zurückgewiesen, und natürlich gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Der Fall zeigt allerdings, dass die Rolle der Aufsichtsräte im Wirecard-Skandal noch längst nicht ausgeleuchtet ist. Der mit gewaltigem Aufwand betriebene Bundestags-Untersuchungsausschuss hat hier nur wenig ans Licht gebracht und in erster Linie Schlagzeilen für die Medien geliefert.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

die Sonne hat Deutschland wiederentdeckt, die Corona-Inzidenzwerte fallen und fallen, der DAX steigt und steigt – und die Deutsche Bank macht weiter Corporate-Governance-Schlagzeilen. So war zu lesen, dass sich die EZB in die Nachfolgeplanung von Paul Achleitner eingeschaltet hat. Darf die das?

Wie wir aus den Skandalen um Wirecard & Co gelernt haben, hat die Bafin die Aufsicht über den deutschen Kapitalmarkt und damit auch über die Aufsichtsräte der deutschen Banken. Und diese Aufgabe macht sie sich nicht leicht: Seit dem 1. Januar 2021 gilt – in 4. Auflage und 75 Seiten stark – das neue Aufsichtsrats-Merkblatt.

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