Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

in dieser HV-Saison fällt auf, dass zahlreiche Unternehmen die Amtszeiten für Aufsichtsräte von fünf auf vier Jahre verkürzen (auch für unsere Aufsichtsrätin der Woche). Zur Begründung verweisen die Unternehmen in erstaunlicher Einmütigkeit auf Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) und „Erwartungen“ von Investoren. Dann kann das ja nicht schlecht sein. Oder?

Ich möchte eine alternative Deutung anbieten: Unternehmen beugen sich hasenfüßig dem Druck institutioneller Investoren, die Aufsichtsräte enger an die Kandare nehmen wollen. Denn je kürzer eine Ägide, desto schneller können sie unliebsame Kontrolleure austauschen – am liebsten wären einigen Aktionären deshalb einjährige Amtszeiten. Unabhängige Aufsichtsräte, die sich allen Stakeholdern verpflichtet fühlen, wären dann Geschichte.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

„Greensill“ – Gier trifft auf Dummheit? Dabei wollten die Stadtkämmerer so clever sein. Es kostet schon Anstrengung, sich nicht wieder so richtig zu empören. Denn das Muster ist doch immer das gleiche. Vorher sind alle blauäugig, dann wissen es alle besser und haben schnell die Schuldigen identifiziert. Dabei darf die staatliche Finanzaufsicht natürlich nicht fehlen, und ergänzt wird das Anprangern ihres Versagens dann gerne mit der Forderung nach einem Untersuchungsausschuss. Dann ist auch diese Geschichte zu Ende. Und wir erwarten die Fortsetzung – und die kommt bestimmt!

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

nach dem Bundesjustizministerium beschäftigt der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) nun auch das Umwelt-, das Finanz- und das Wirtschaftsressort. Denn der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung, den die drei Ministerien ins Leben gerufen haben, setzt große Hoffnungen auf das Regelwerk: In seinem aktuellen Bericht empfiehlt das Gremium, „Mindeststandards für die Nachhaltigkeitskompetenzen“ von Vorständen und Aufsichtsräten in den Kodex aufzunehmen.

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Lieber Leser*innen der GermanBoardNews,

die HV-Saison hat zwar noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen – und doch sehen wir schon einige Schlagzeilen, die zum Nachdenken einladen. So weisen Deutsche Bank und Daimler- trotz Corona – für 2020 überraschend hohe Gewinne aus. Und die Deutsche Bank kann  noch eine weitere Schlagzeile für sich verbuchen: Die EZB dampfe die  Boni-Pläne des Geldhauses ein, meldete die FAZ vor wenigen Tagen.

Andere Unternehmen wie Adidas schütten wieder hohe Dividenden aus, und Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt hat gerade zurecht daran erinnert, dass es „die massive Rückendeckung des Staates“ und damit der Steuerzahler war, die Erfolge möglich machen.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

ein verdienter Manager verlässt die sogenannte Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex: Der langjährige Post-Vorstand Wulf von Schimmelmann scheidet Ende Februar nach fünf Jahren aus. Und trotz meines kritischen Blicks auf das Wirken der Kommission gilt es an dieser Stelle festzuhalten: Professor von Schimmelmann hat sich um die Corporate Governance in Deutschland verdient gemacht – herzlichen Dank dafür.

Sein Nachfolger, der ehemalige BayernLB-Chef und langjährige Bankenverbands-Geschäftsführer Michael Kemmer, gehört der Kommission bereits seit Monatsbeginn an. Auch er ist ein verdienter Manager, der zweifellos wichtige Voraussetzungen für die Kommissionsarbeit mitbringt. Bei genauem Hinsehen wirft die Personalie aber zwei Fragen auf:

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

BlackRock-Chef Larry Fink hat wieder seinen jährlichen „CEO“-Letter geschrieben, und der steht ganz im Zeichen des Klimaschutzes. Das ist aus meiner Sicht wenig überraschend, aber womöglich habe ich mich schon daran gewöhnt, dass Fink klingt wie ein linker Kapitalismuskritiker.

Dieser Habitus sollte aber niemanden verleiten, ihn zu belächeln oder seine Botschaften auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn sein Weckruf ist durchaus berechtigt, und jedem Aufsichtsrat und Vorstand muss spätestens jetzt klar sein: Der Druck der Investoren steigt massiv, und das wird sich schon in der anstehenden HV-Saison bemerkbar machen.

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Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

auch wenn das neue Jahr bereits zwei Wochen alt ist: Ich wünsche Ihnen alles Gute für 2021 und hoffe, Sie sind gut und gesund in den Januar gestartet.

Mich treibt derzeit vor allem um, was wir in den USA erlebt haben. Der Sturm auf das Capitol hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, wie fragil unsere Demokratie ist – und wie gefährlich der Populismus, den Donald Trump wie kein Zweiter verkörpert. Ich bin überzeugt: Entscheider in der Wirtschaft sind nach den Ereignissen mehr denn je aufgerufen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich für die liberale Demokratie einzusetzen (siehe dazu unser Top vs. Flop).

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Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle angekündigt, den Fall ThyssenKrupp einer aktualisierten Bewertung zu unterziehen. Seiher hat das Thema an Brisanz gewonnen: Der Aufsichtsrat musste heftige Kritik für die Entscheidung einstecken, den Vorständen eine Sondervergütung zu gewähren.

Auch ich halte die Boni angesichts der Situation des Unternehmens für sehr fragwürdig. Zwar wäre das Ganze halb so wild, wenn es sich um einen Ausrutscher handeln würde. Doch davon kann leider keine Rede sein: Die Sonderboni passen wie die Faust aufs Auge zu einem Konzern mit erheblichen Defiziten bei der Corporate Governance.

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Liebe Leser der GermanBoardNews,

in den vergangenen Tagen war in Corporate Governance Deutschland noch mehr los als wir erwartet hatten. Ohne damit Prioritäten definieren zu wollen, werden wir uns mit einigen Themen erst in den kommenden Ausgaben intensiver befassen können. Ich denke da an die neue Quotenregelung für Vorstände und den Wirecard Untersuchungsausschuss (sowie die Rolle von Tina Kleingarn). Aber auch das Thema ThyssenKrupp  geht mir nach wie vor unter die Haut und bedarf einer aktualisierten Bewertung – mit der Lupe.

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Liebe Leser der GermanBoardNews,

nach dem Wirecard-Skandal diskutieren (endlich!) alle über Corporate Governance, und auch die Arbeitnehmervertreter haben sich nun eingeschaltet: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) forderte in dieser Woche eine „Neujustierung der Konfliktlösung in den Aufsichtsräten“.

Dahinter verbirgt sich die Idee, umstrittene strategische Entscheidungen „in einem Mediationsverfahren mit neutralem Schlichter zu fällen“ – und nicht mehr durch das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden. Das soll etwa für Sitzverlagerungen ins Ausland, Fusionen, Werksschließungen oder „Massenentlassungen“ gelten.

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