Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

geraten im Wirtschaftskrieg zwischen Demokratien und Diktaturen jetzt die Unternehmen ins Visier? Die Attacke des Staatsfonds Temasek aus Singapur auf Bayer-Vorstand Werner Baumann stimmt mich nachdenklich. Es gibt zwar gute Gründe für Bayer-Kritik; auch ich sehe manches dort skeptisch. Aber das Timing wirft gewichtige Fragen auf (siehe dazu unsere aktuelle Analyse).

Aktionärsschützer haben aus meiner Sicht zurecht kritisiert, dass die Attacke zur „Unzeit“ kommt. Aber Temasek-Schelte ist wohlfeil, wenn wir es dabei belassen und nicht die richtigen Schlussfolgerungen ziehen. Was also tun?

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Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

eine Schlagzeile hat mich in den letzten Tagen besonders überrascht: „Cewe-Chef Friege muss gehen – gegen den Willen des Aufsichtsrats“, titelte das Handelsblatt. Gegen den Willen des Aufsichtsrats? Da sträubte sich insbesondere der Jurist in mir, und hinzu kam: Ich hatte den Fotodienstleister aus Oldenburg bisher zu den wenigen Corporate-Governance-Vorbildern in Deutschland gezählt.

Warum? Die spezielle Stiftungskonstruktion schien langfristiges unternehmerisches Denken zu fördern. Dafür sprach vor allem eine erstaunlich positive Entwicklung: Cewe hat eine frühe und entschlossene digitale Transformation hingelegt.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

noch bis zu diesem Freitag können sich Corporate-Governance-Interessierte zu den Reformvorschlägen äußern, die die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) unterbreitet hat. Zur Begründung des Reformbedarfs heißt es vonseiten der Kommission:

Wer Unternehmen leitet oder überwacht, müsse „die ökologische und soziale Nachhaltigkeit“ künftig stärker berücksichtigen. Denn die Erwartungen, so DCGK-Vorsitzender Rolf Nonnenmacher, seien diesbezüglich „sehr viel konkreter geworden“. Hinzu kämen „erweiterte Berichtspflichten nach der bevorstehenden Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU“.

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

Sie erinnern sich an Carl Icahn? Der gefürchtete aktivistische Investor diente einst als Vorbild für die Filmfigur Gordon Gekko („Wall Street“). Icahn galt vielen als Inbegriff eines US-Finanzkapitalisten, der rücksichtslos den eigenen Vorteil sucht und Gewinne maximiert. 

Was für ein Kontrast zu dem Image, das der 86-Jährige neuerdings pflegt: „Tiere gehören zu den Dingen, bei denen ich emotional werde“, sagte Icahn vor wenigen Tagen. Deshalb dürfe die Fastfood-Kette McDonald’s nur noch mit Lieferanten zusammenarbeiten, die Schweine anständig behandeln.   

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Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

das Thema Unternehmensführung spielt im Koalitionsvertrag keine nennenswerte Rolle. Vermutlich haben SPD, Grüne und FDP nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) keinen akuten Handlungsbedarf gesehen.

Ich halte das – und das wird sie nicht überraschen – für einen Fehler. Das FISG dürfte zwar dazu beitragen, dass Skandale à la Wirecard unwahrscheinlicher werden. Aber zentrale Herausforderungen mit Blick auf die Zukunft von Wirtschaftsstandort und Kapitalmarkt bleiben ungelöst.

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Aufsichtsratshaftung, KlimaschutzAktivisten-Attacken: Warum dieses Jahr spannend wird 

 Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

wir melden uns zurück aus der Winterpause und hoffen, dass Sie gut ins neue Jahr gestartet sind. Lassen Sie mich das GBN-Jahr mit afrikanischen Segenswünschen für alle Aufsichtsräte und Vorstände beginnen: „ dass auf deinem Weg durch das neue Jahr nur wenige Steine liegen, dass sie klein sein mögen und leicht zur Seite zu räumen sind, und dass um einen großen, schweren Stein immer genug Raum sein möge, damit du ihn umgehen kannst.“  

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Aareal Bank, Software AG, ThyssenKrupp: War’s das mit der Unabhängigkeit der Aufsichtsräte?

Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

was ist Ihnen von der HV-Saison 2021 im Gedächtnis geblieben? Mein Eindruck ist: Es gibt keinen nennenswerten Nachhall. In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Aktionärstreffen – auch bedingt durch Corona und den Bundestagswahlkampf – weitgehend geräuschlos verlaufen.

Und bis heute scheinen die allermeisten Akteure tiefenentspannt: Es wird schließlich – auch dank Kurzarbeitergeld – viel Geld verdient und viel ausgeschüttet. Die Börsenkurse sind auf Rekord Jagd. Ich fürchte deshalb, dass eine breite Corporate-Governance-Debatte in Wirtschaft und Politik auch in den nächsten Monaten ausbleibt.

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Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,  

es ist eine faustdicke Überraschung: Alexander Wynaendts (61) wird neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bank und damit Nachfolger von Paul Achleitner. Alexander wer? Selbst Kenner der Finanzbranche mussten Anfang letzter Woche erstmal googeln, wer künftig eines der wichtigsten Ämter der deutschen Wirtschaft bekleidet.  

Inzwischen hat sich herumgesprochen: Der Niederländer Wynaendts führte von 2008 an zwölf Jahre lang den Versicherungskonzern Aegon und hat damit Krisen- und Konsolidierungserfahrung. Zudem sitzt er in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten, unter anderem bei Air France-KLM.   

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Wie Investoren und Wirtschaftsprüfer falsches Denken in die Unternehmen tragen

Liebe Leserinnen und Leser der GermanBoardNews,

es klingt, als bahne sich ein tiefgreifender Konflikt an. Finanzinvestoren hätten den Big 4 gedroht, auf Hauptversammlungen künftig gegen ihre Wiederbestellung zu stimmen, berichtete zu Monatsbeginn das Manager Magazin. PwC & Co. müssten endlich dafür sorgen, dass „klimabedingte Risiken in Jahresabschlüssen angemessen berücksichtigt und offengelegt werden“.

Ich frage mich allerdings: Bahnt sich nicht vielmehr eine Allianz von Investoren und Wirtschaftsprüfern an, um Unternehmen gemeinsam zu bewegen, immer detailliertere Informationen zu liefern?

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Ohne G gibt’s auch weder E noch S: Was ESG-Analysten und -Investoren vernachlässigen 

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

auf der Weltklimakonferenz in Glasgow werden – hoffentlich – gerade wichtige Weichen für die Zukunft unseres Planeten gestellt. Schon jetzt ist immerhin klar, dass der Gipfel den Klimaschutz noch stärker in den Fokus rückt, auch bei Vorständen, Aufsichtsräten und Aktionären.  

ESG-Ratings werden damit nach Glasgow weiter an Bedeutung gewinnen. Aber mir fällt auf: Während sich Analysten und Investoren intensiv mit Kennzahlen wie dem CO2-Fußabdruck oder dem Erwärmungsbeitrag eines Unternehmens befassen („E“), behandeln sie Governance-Kriterien („G“) oft stiefmütterlich.  

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