Larry Fink

BlackRock-Chef Larry Fink hat kürzlich seinen jährlichen Brief an die CEOs geschrieben, und in dieser Woche bin ich endlich dazu gekommen, ihn zu lesen: Fink fordert unter anderem, dass Manager mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und den Unternehmenszweck („purpose“) stärker in den Mittelpunkt rücken.

Das zeigt, dass institutionelle Investoren völlig andere Erwartungen haben als vor einigen Jahren. Und ich habe mich unweigerlich gefragt: Hilft der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) den deutschen Unternehmen eigentlich, diese Erwartungen zu erfüllen? Da die Regierungskommission beharrlich die Investoren in den Fokus rückt, müsste das doch eigentlich der Fall sein.

Weiterlesen
Apply-and-Explain

Die Regierungskommission hat einen neuen Governance-Grundsatz entdeckt: Infolge der aktuellen Kodex-Reform soll das „Apply-and-Explain“-Prinzip greifen – Unternehmen sollen also erklären, wie sie die Empfehlungen konkret umsetzen.

Das ist im Kern ein guter Gedanke, weil es Reflexionen und Diskussionen in den Unternehmen fördert. Und die sind aus meiner Sicht der Schlüssel zu einer neuen, besseren Corporate-Governance-Kultur. Ich habe deshalb bereits 2017 im Zuge meines Entwurfs für einen innovativen Kodex für „apply and explain“ plädiert (und bin damit bei der Kommission auf Desinteresse gestoßen).

Weiterlesen
Governance

Nach zwei Wochen Winterpause melden wir uns mit den GermanBoardNews zurück. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich ist die Zeit um den Jahreswechsel immer wichtig, um die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen, den Blick zu schärfen und neue Gedanken zu entwickeln.

Rückblickend muss man sagen: Aus Governance-Sicht ist ein Großteil des vergangenen Jahres enttäuschend verlaufen – und zwar quer durch die Wirtschaft von ThyssenKrupp (wo aktivistische Aktionäre einen Etappensieg errungen haben) bis hin zu Bayern München (wo Uli Hoeneß trotz prominenter Aufsichtsräte weiter durchregieren darf).

Weiterlesen
Corporate Governance

Mit dieser Ausgabe der GermanBoardNews verabschieden wir uns für zwei Wochen in den Urlaub – um über Weihnachten und Neujahr viel Zeit mit der Familie zu verbringen, aber auch, um Kraft zu tanken. Denn für 2019 haben wir uns viel vorgenommen.

Insbesondere wollen wir, wie bereits angekündigt, eine breit angelegte Vorstands- und Aufsichtsratsinitiative für eine tiefgreifende Corporate-Governance-Reform starten. Denn seit Veröffentlichung des Reformvorschlags der Regierungskommission, zu dem bis Ende Januar die Konsultationsfrist läuft, ist klar: Das wird alles andere als ein großer Wurf.

Weiterlesen
Corporate Governance

Ich habe mich in den vergangenen Wochen auf verschiedenen Ebenen mit dem Corporate-Governance-Kodex befasst und argumentiert, das Unternehmen kein starres Korsett, sondern Leitlinien brauchen. Das gilt meines Erachtens erst Recht für die Verantwortlichen selbst, und diesem Anspruch versuchen wir mit den Berufsgrundsätzen der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) gerecht zu werden, die wir als unseren „Personal-Governance-Kodex“ bezeichnen.

Wir haben darin zwölf prägnante Prinzipien zu Themen wie „Unabhängigkeit“, „Aus- und Fortbildung“ oder „zeitliche Verfügbarkeit“ definiert, an denen sich Aufsichtsräte orientieren sollten, um (noch) besser zu werden.

Weiterlesen
Corporate Governance Aktuell

Sie kennen alle das Sprichwort: „Was kümmert es uns, dass ein Sack Reis in China umfällt“ oder „… wenn in Holland ein Rad umfällt“. Genau so scheint es vielen mit dem neuen Kodex-Entwurf der Regierungskommission zu ergehen. Überflüssiges wurde gestrichen, der Rest neu sortiert und ein paar Aufregerthemen („Vorstandsvergütung“) positioniert.

Aber weite Teile der Wirtschaft scheint das nicht zu interessieren. Was mich zu zwei zentralen Fragen führt: Wer will den Kodex, wer braucht den Kodex?

Weiterlesen

Der Vorsitzende der Regierungskommission, Rolf Nonnenmacher, hat am Dienstag den Entwurf für einen neuen Kodex vorgestellt. Und tatsächlich: Wenn die Vorschläge Realität werden, wäre das Regelwerk – wie angekündigt – „klarer und kompakter“.

Allerdings hätte ich mir mehr Mut gewünscht: Der Entwurf ist trotz der Kürzungen noch immer kleinteilig und besteht aus Dutzenden Grundsätzen und Empfehlungen, die auf 13 DIN-A4 Seiten daherkommen. Darunter sind weiter etliche Selbstverständlichkeiten und starre Vorgaben.

Weiterlesen

Erst geht Vorstandschef Hiesinger, dann Aufsichtsratschef Lehner. Was ist da los? Ein Erklärungsversuch – und fünf Appelle an die Beteiligten.

Als mich am gestrigen Montag die Nachricht von der Amtsniederlegung des Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG erreichte, war ich zunächst sprachlos. Ein Mann wie Ulrich Lehner ist sicherlich auch für Überraschungen gut, aber er ist bestimmt niemand, der spontan und verantwortungslos handelt. Es muss also einiges zusammengekommen sein, um einen gestählten Aufsichtsrat-Profi mit rheinischem Gemüt zu solch einem Schritt zu verleiten. Mein Fazit: Hiesinger hat die rote Lampe angemacht, mit dem Abgang von Lehner heulen jetzt die Sirenen.

Was bedeutet dieser Rücktritt für ThyssenKrupp? Wird das Unternehmen jetzt auseinandergerissen? Sind Arbeitsplätze in Gefahr? Ist es kontraproduktiv, wenn mit Hiesinger und Lehner jetzt gerade die beiden Personen, die das Unternehmen zusammen halten wollten, weg sind und das Feld Cevian & Co. überlassen? Und welche Rollen spielen Frau Gather und die Krupp-Stiftung? Diese Fragen drängen sich in dieser unübersichtlichen Situation auf. Und was wir erleben, ist –keineswegs ein Lückenfüller für das Sommerloch, sondern ein in Szene gesetzter handfester Corporate-Governance-Skandal.

Weiterlesen
Lebenslanges Lernen Aufsichtsrat

Als Aufsichtsrat wird man nicht geboren; auch wacht man nicht eines Morgens als ein solcher auf. Wie bei den meisten anderen Berufen auch, bedeutet Aufsichtsrat werden ‚Arbeit’ und ‚Lernen’. Das Ziel ist klar: Ein Aufsichtsratsmitglied muss - als gleichberechtigter Teil einer Gruppe - relevante Informationen erkennen und im Gremium kritisch diskutieren können, um dann spürbarer Teil von Entscheidungsprozessen zu sein. Schließlich geht es darum, geeignete Vorstände auszuwählen und den Vorstand zu überwachen.

Weiterlesen
Deutscher Corporate Governance Kodex

Die Initiative für einen weltweiten Governance-Standard führt in die falsche Richtung. Gute Unternehmensführung darf nicht zum Thema für Technokraten werden.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) setzt Standards für eine breite Reihe von Produkten von Schrauben bis hin zu Papier. Zudem vertritt das es Deutschland in der International Organization of Standardisation (ISO) mit Sitz in Genf, die weltweite Normen entwickelt.

Am Genfer See fühlt man sich aber offenbar zu höherem als schnöden Produktstandards berufen: Die ISO plant derzeit, „Richtlinien für die Governance von Organisationen“ zu entwickeln. Wie aus der europäischen Corporate-Governance-Community verlautet, soll bereits am 18. September der offizielle Startschuss fallen.

Weiterlesen