Erst geht Vorstandschef Hiesinger, dann Aufsichtsratschef Lehner. Was ist da los? Ein Erklärungsversuch – und fünf Appelle an die Beteiligten.

Als mich am gestrigen Montag die Nachricht von der Amtsniederlegung des Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG erreichte, war ich zunächst sprachlos. Ein Mann wie Ulrich Lehner ist sicherlich auch für Überraschungen gut, aber er ist bestimmt niemand, der spontan und verantwortungslos handelt. Es muss also einiges zusammengekommen sein, um einen gestählten Aufsichtsrat-Profi mit rheinischem Gemüt zu solch einem Schritt zu verleiten. Mein Fazit: Hiesinger hat die rote Lampe angemacht, mit dem Abgang von Lehner heulen jetzt die Sirenen.

Was bedeutet dieser Rücktritt für ThyssenKrupp? Wird das Unternehmen jetzt auseinandergerissen? Sind Arbeitsplätze in Gefahr? Ist es kontraproduktiv, wenn mit Hiesinger und Lehner jetzt gerade die beiden Personen, die das Unternehmen zusammen halten wollten, weg sind und das Feld Cevian & Co. überlassen? Und welche Rollen spielen Frau Gather und die Krupp-Stiftung? Diese Fragen drängen sich in dieser unübersichtlichen Situation auf. Und was wir erleben, ist –keineswegs ein Lückenfüller für das Sommerloch, sondern ein in Szene gesetzter handfester Corporate-Governance-Skandal.

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